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Vom Freibad zum Aqua Fun
Zur 75jährigen Geschichte des Bilsteiner Freibades
Von Hubert Brill
Am
12. Juli 2003 wurde das Naturerlebnisbad Bilstein durch den
Bürgermeister der Stadt Lennestadt, Alfons Heimes, feierlich wieder
eröffnet, nachdem der Badebetrieb bereits zwei Wochen vorher
aufgenommen worden war. Dechant Heinrich Schmidt und Pfarrer Kessler
stellten das sanierte Bad, das jetzt den Namen “Aqua Fun” trägt, unter
den Segen Gottes. Drei Jahre lang war das alte Freibad geschlossen,
bevor es von der Stadt Lennestadt mit einem Finanzaufwand von fast
700.000 Euro saniert und zu einem Naturerlebnisbad mit Solartechnik
umgebaut wurde. Nach Saalhausen besitzt die Stadt Lennestadt nun ein
zweites Natuerlebnisbad, das in Trägerschaft eines Vereins geführt wird.
Ein
Naturerlebnisbad ist ein “Freibadtyp”, der bisher im Sauerland
weitgehend unbekannt war. Es funktioniert nach ökologischen Prinzipien
und macht sich die biologische Selbstreinigungskraft von natürlichen
Gewässern zunutze, anstatt bei der Wasseraufbereitung auf Chemikalien,
insbesondere Chlor, zurückzugreifen. Eine solche Anlage gliedert sich
grundsätzlich in zwei Bereiche - den Nutzungsbereich und den
Aufbereitungsbereich (Regenerationsteich). Diese Bereiche sind baulich
voneinander getrennt, denn die "2-Topf-Bauweise" garantiert eine
optimale Wasserreinigung. Der Nutzungsbereich umfaßt alle
Wasserflächen, die von den Badegästen betreten werden dürfen. Hier ist
der Ort zum Schwimmen, Baden, Spielen und Spaß haben. Der
Regenerationsbereich umfaßt alle Bereiche, die der Wasseraufbereitung
dienen und ist für die Badegäste gesperrt. Hier arbeitet die Natur und
verwandelt abgebadetes Badewasser wieder in kristallklares
Frischwasser. Das Wasser durchströmt die Anlage zunächst im freien
Gefälle, wird zum Erwärmen über Kaskaden geleitet und vom tiefsten
Punkt mit Pumpen wieder zurück befördert, so daß ein geschlossener
Wasserkreislauf entsteht.
Die
Wiedereröffnung des Bades ist Anlaß, einmal in die wechselvolle
Vergangenheit dieser vor 75 Jahren von der Bilsteiner Bürgerschaft
errichteten Badeanlage zu blicken.
Die
konkreten Planungen für ein Freibad “Auf der Veischede” unterhalb
Bilsteins gab es spätestens seit dem Jahr 1927, doch das Jahr 1928 ist
das eigentliche Geburtsjahr der Einrichung. Damals wurden die
Bauarbeiten für eine “Wassersportanlage mit Luft- und Lichtbad” in
Bilstein in Trägerschaft der “Genossenschaft Freibad Bilstein”
durchgeführt - und im Jahre darauf, am 23. 4. 1929, erwarb die
Genossenschaft das Freibadgelände von Hugo Brill zum Preis von 11.562
Rmk.
Die
75jährige Geschichte des Bilsteiner Freibades zeigt, daß Höhen und
Tiefen von Anfang an vor allem von Schwierigkeiten der Finanzierung
geprägt waren. Die Gesamtkosten für Grundstückserwerb und Bau der
Anlage wurden in einer Auflistung der Genossenschaft vom 9. 12. 1929
mit 94.120 Rmk. beziffert, denen bereits erzielte oder erwartete
Einnahmen von rund 75.400 Rmk. gegenüberstanden. Bereits 4 Jahre nach
dem Bau des Bades mußte die Genossenschaft im Januar 1934 das
Konkursverfahren eröffnen. Konkursverwalter Rechtsanwalt Otto Dingerkus
und Amts- und Gemeindebürgermeister Dr. Eugen Schaub einigten sich im
April 1934 darauf, daß das Bad ins Eigentum der Gemeinde Kirchveischede
übergeht. Die Gemeinde hatte sofort hohe Aufwendungen für entstandene
Schäden zu tragen, die auf Hochwasser, Dammbrüche und Sturm
zurückzuführen waren. “Für die Gemeinde waren die jährlich
aufzubringenden Kosten untragbar”, heißt es in einem “Gutachten zur
wirtschaftlichen Nutzung der Badeanlage zu Bilstein” im Februar 1950,
erstellt durch den Sachverständigen der Landwirtschaftskammer
Westfalen-Lippe, Josef Kleine aus Rhonard b. Olpe. Nach dem Krieg, im
Jahre 1946, hatte sie sich deshalb schon wieder von der Anlage getrennt
und das Bad an den Bilsteiner Hotelier Willi Nüschen verkauft. Willi
Nüschen verpflichtete sich in einem vor dem Notar Karl Grünewald
beurkundeten Vertrag, “die Anlage dauernd zu unterhalten und der
Öffentlichkeit stets zugänglich zu erhalten und allen Benutzern den
Zutritt zu ihr zu gleichen Preisen zu gestatten, das gilt namentlich
auch für die Gäste der einheimischen Konkurrenzbetriebe”. Er durfte
keine alkoholischen Getränke ausschenken und hatte dafür zu sorgen,
dass der Badebetrieb in einer Weise durchgeführt wurde, die Anstand und
guter Sitte entsprach. Das Tanzen in Badekleidung war untersagt. Mit
Eintritt der Dunkelheit, spätestens um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit,
war die Badeanstalt zu schließen.
“Der
Besitzer Nüschen erhoffte durch den Ankauf, dass es ihm gelingen würde,
aus eigenen Mitteln der Reichsmark-Währung, die in den letzten Jahren
stark vernachlässigte Badeanlage, vollwertig der Bevölkerung zur
Verfügung stellen zu können”, schreibt Kleine 1950 in seinem
Gutachten.
Doch
das Bad war unrentabel und bereits im Juni 1955 erfolgte die
Rückübertragung an die Gemeinde Kirchveischede. Der Verkehrsverein
Bilstein-Kirchveischede wurde Pächter zum Pachtpreis von 12 DM
jährlich. Der Verein versuchte, das Bad im Rahmen seiner Möglichkeiten
zu unterhalten und zu finanzieren. Im Jahr 1959 beispielsweise beliefen
sich die Einnahmen auf 2.214,30 DM, die Ausgaben lagen um 99,05 DM
niedriger. In den meisten Jahren aber war der Saldo negativ; das
Freibad entwickelte sich zu einer großen finanziellen Belastung für den
Verein, zumal neben der laufenden Unterhaltung eine Sanierung dringend
notwendig wurde.
1961 stand die
Grundsanierung mit Neubau der Umkleidegebäude an. Die Gesamtkosten
wurden mit 143.000 DM veranschlagt, wovon 68.200 DM auf die
Beckenerneuerung und 74.800 DM auf den Neubau der Umkleidegebäude
entfielen. 70.000 DM Landesmittel und 2.000 DM Jugendhilfemittel des
Kreises Olpe wurden hierfür bewilligt. Die Mitglieder des
Verkehrsvereins steuerten zur Finanzierung dieser Sanierung Spenden in
Höhe von 15.695 DM bei, die Restfinanzierung lag bei der Gemeinde.
Der
Verein konnte die ordnungsgemäße Unterhaltung des Bades auch im
Hinblick auf immer höhere Anforderungen an die Wasserqualität und -güte
auf Dauer nicht gewährleisten. Als es dann Ende der 60er Jahre zu einem
tödlichen Badeunfall kam, war der Vereinsvorstand endgültig nicht mehr
bereit, die Verantwortung für die Einrichtung zu übernehmen, so daß die
Trägerschaft der neuen Stadt Lennestadt übertragen wurde.
Schon
bald stand wieder eine Sanierung des Beckens an. Nach heftigen
Diskusionen im Rat der Stadt Lennestadt und dank des unermüdlichen
Werbens des letzten Bilsteiner Bürgermeisters und Lennestädter
Ratsmitgliedes Franz Luig und der übrigen Ratsvertreter aus dem
Veischedetal, beschloß der Rat die Sanierung des Bilsteiner Freibades.
Das Badebecken wurde verkleinert dafür aber zugleich mit einer
Heiztechnik ausgestattet, so daß fortan ein beheizbares Freibad zur
Verfügung stand. Außerdem wurde die viel zu kleine Liegewiese
erweitert, indem fast die Hälfte des angrenzenden “Kahnteichgeländes”
aufgeschüttet wurde. Diese erste große Investition, die die Stadt
Lennestadt 1971 – zwei Jahre nach der kommunalen Neugliederung - in
Bilstein vornahm, belief sich auf die stattliche Summe von 400.000 DM.
Am
Rande bemerkt: Der Bilsteiner Josef Baumhoff, der damals als
Stadtbaurat die Maßnahme verantwortlich durchgeführt hat, konnte dem
Rat der Stadt nach Abschluss des Umbaus mitteilen, dass der
Kostenrahmen von 400.000 DM eingehalten wurde, ja sogar um etwa 4.000
DM unterschritten war. Daraufhin genehmigte der Rat zur Überraschung
des Baurats noch die von ihm gewünschte “Enteisungsanlage” für das
Becken; so wurden die veranschlagten Mittel dann in voller Höhe
verausgabt.
Diese
Sanierung gewährleistete den Badebetrieb im großen und ganzen für etwa
25 weitere Jahre, bis im Jahr 2002 der Umbau in ein Naturerlebnisbad
begann.
Genau 75 Jahre nach dem
Bau der ersten Freibadanlage übernahm jetzt wieder die Bürgerschaft in
Gestalt des “Naturbad Veischedetal e. V.” die Trägerschaft des durch
die Stadt Lennestadt sanierten Bades; nachdem im Jahr 1999 die letzten
Badegäste das Freibad Bilstein besucht hatten und zwei Jahre lang um
den richtigen Weg der Sanierung und die Finanzierung gerungen worden
war. Am 28. Juni 2003 konnte Otto Hoffmann, Vorsitzender des neuen
Trägervereins die ersten Schwimmer im Aqua Fun, dem “neuen Freibad”
begrüßen. Die Neueröffnung fand mit der Feier am 12. Juli 2003 ihren
krönenden Abschluß; innerhalb der ersten 3 Wochen hatten bereits 5.000
Besucher das neue Bad erkundet.
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